Wussten Sie, dass Wale Dialekte haben?

Dr. Uwe Stöber

Wie von Menschen verursachte Geräusche die Kommunikation der Meeressäuger stören

Meeressäuger leben in einer Welt voller Geräusche. Schallwellen sind unter Wasser viermal schneller als in der Luft und werden viel weniger gedämpft. Daher können sich Geräusche unter Wasser sehr weit ausbreiten.

Wir wissen, dass Wale und Delfine laute Unterwasserrufe nutzen, um miteinander in Kontakt zu bleiben und als Team zusammenzuarbeiten. Es gibt sogar Wale, die Dialekte haben, genauso wie Menschen. Einige Delfine senden kurze und hohe Klickgeräusche aus. Aus dem Echo, das sie zurückerhalten, generieren die Delfine ein „akustisches Bild“, das ihnen bei der Jagd nach Fischen hilft.

Menschliche Aktivitäten wie Schifffahrt, Offshore-Bauaktivitäten, seismische Untersuchungen, Baggerarbeiten und viele andere Dinge produzieren ebenfalls Unterwassergeräusche. Diese künstlichen Geräusche können die Kommunikation von Walen und Delfinen überlagern. Diese reagieren manchmal auf Lärm, indem sie sich einfach von der Schallquelle weiter entfernen, was jedoch schwerwiegende Folgen haben kann, wenn wichtige Verhaltensweisen wie Nahrungssuche und Paarung unter-brochen werden. Sehr laute Geräusche können Wale und Delfine sogar ver-letzen.

Eine neue Art, die Auswirkungen von Lärm auf Meeressäuger zu bewerten

Aufgrund der zunehmenden menschlichen Nutzung der marinen Umwelt gibt es einen großen Bedarf zur Bewertung der Auswirkungen von Unterwasserlärm auf z.B. Wale und Delfine.

In der Vergangenheit beruhten die meisten Bewertungen auf einem Konzept von unbeweglichen Meereslebewesen. Dieser Ansatz ist jedoch veraltet. Wir alle wissen, dass sich Wale fast die gesamte Zeit bewegen und dabei auf Umweltbedingungen und menschliche Aktivitäten reagieren. Die Simulation dieser Bewegungen ist das Herzstück der neuen Technologie MARAMBS, das für Mobile Animal Ranging Assessment Model for Biological Studies (Ortungsmodell mit mobilen Tieren für biologische Studien) steht.

Wie funktioniert MARAMBS? Es ist eine maßgeschneiderte Lösung, bei der zunächst ein hydrodynamisches Modell aufgebaut wird. Anschließend wird ein statistisches Habitatmodell verwendet, um die Umgebungsvariablen zu identifizieren, die die Bewegung der Wale bestimmen.

Agentenbasierte Modelle (Partikel/Agenten repräsentieren dabei die
Lebewesen und deren Eigenschaften) simulieren schließlich die Bewegungen der einzelnen Wale oder Walgruppen.

Was bedeutet dies für die Umwelt?

Mit dieser neuen Technologie ist es möglich, die Umweltverträglichkeit von Projekten wesentlich präziser vorherzusagen als zuvor. Dies hilft Behörden und Unternehmen dabei, Risiken für die Umwelt zu reduzieren. So ist es jetzt beispielsweise möglich, ein Gebiet und einen Zeitraum für ein Projekt so auszuwählen, dass die Auswirkungen auf die Umwelt möglichst gering gehalten werden. Zusätzlich können nun auch effektive Methoden getestet werden, die die Auswirkungen von Lärm minimieren. Eine solche Maßnahme kann zum Beispiel ein Blasenschleier sein, der bei Rammarbeiten die Schallausbreitung einschränkt. Dies kann Zeit und Kosten sparen und gleichzeitig helfen, Wale und Delfine zu schützen.

MARAMBS wird derzeit in einem groß angelegten Projekt in der Barentssee mit Unterstützung von Industriepartnern und öffentlicher Forschungsförderung verwendet.

Sie möchten mehr erfahren?

Sehen Sie sich das folgende Interview mit unserem Experten
Dr. Frank Thomsen an:

Impacts of underwater noise on marine life
(auf englisch)

 

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